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Claude im Überblick: Chat, Cowork, Code und Design wachsen zusammen

Hartmut Wernisch, Human in the loop·
Claude im Überblick: Chat, Cowork, Code und Design wachsen zusammen

Für die meisten ist Claude ein Chatfenster. Tatsächlich sind es vier Arbeitsbereiche, die sich dasselbe Konto und dasselbe Nutzungskontingent teilen und seit dem Frühjahr immer enger zusammenrücken. Wer nur den Chat verwendet, nutzt einen Bruchteil von dem, was im Abo ohnehin enthalten ist.

Dieser Artikel ordnet die vier Bereiche ein, zeigt, was sich seit dem Frühjahr verändert hat, und geht dann auf die Änderung ein, die für Unternehmen die größte Tragweite hat.

Die vier Arbeitsbereiche

Chat ist der bekannte Teil. Fragen stellen, Texte entwerfen, Dinge erklären lassen. Wie sich Claude dabei gegen ChatGPT und Gemini schlägt, steht im Vergleich der drei Anbieter.

Cowork ist der Arbeiter. Du beschreibst ein Ziel, Claude arbeitet mit deinen Dateien, bedient Apps und liefert fertige Ergebnisse, auf Wunsch nach Zeitplan. Für den Einstieg gibt es den kompletten Cowork-Guide, für Auswertungen, die sich selbst aktualisieren, den Artikel zu Live Artifacts, und als konkretes Beispiel mein LinkedIn-Dashboard.

Code läuft im Terminal und richtet sich an Entwickler. Dass sich damit auch wiederkehrende Betriebsaufgaben automatisieren lassen, zeigen die Routinen in Claude Code. Wer Agenten ohne eigene Infrastruktur betreiben will, findet die Cloud-Variante bei den Managed Agents.

Design ist der jüngste Zugang, seit April 2026 verfügbar und weiterhin als Beta. Eine Arbeitsfläche für Entwürfe, Prototypen und Präsentationen, deren Ergebnis anklickbares HTML ist statt eines Bildes. Einen fertigen Entwurf bearbeitest du seit dem Sommer direkt auf der Fläche weiter, also Elemente verschieben, Text ändern, Abstände und Farben nachziehen, statt Claude jedes Mal neu beschreiben zu müssen, was anders werden soll. Es sitzt allerdings nicht in derselben Umschaltleiste wie die anderen drei, sondern in der linken Seitenleiste der Desktop-App und im Browser unter claude.ai/design. In Claude Code kommt es als Skill /design dazu, dort vorerst als frühe Vorschau. In der Handy-App fehlt es, bei Enterprise ist es standardmäßig aus.

Für den Alltag im Betrieb zählen vor allem die ersten beiden. Code und Design lohnen sich, sobald jemand im Haus entwickelt oder gestaltet.

Was seit dem Frühjahr passiert ist

Datum Was sich geändert hat
9. April 2026 Cowork verlässt die Research Preview und ist in jedem bezahlten Plan enthalten
17. April 2026 Claude Design startet als eigene Arbeitsfläche für visuelle Arbeit
17. Juni 2026 Design bekommt einen Canvas-Editor, eine Anbindung an Claude Code und teilt sich ab jetzt die Nutzungslimits mit Chat, Cowork und Code
7. Juli 2026 Cowork läuft in der Cloud und ist über Web und Handy erreichbar, Chat und Cowork bekommen ein gemeinsames Zuhause für Projekte und Artifacts
10. Juli 2026 Das Memory wird umgebaut auf einzelne, nach Themen sortierte Einträge, die Claude während des Gesprächs mitschreibt
12. August 2026 Das Chrome-Seitenpanel wird zu einer vollwertigen Cowork-Session
17. bis 21. August 2026 Der Skill /design bringt die Entwurfsfläche in Claude Code, Remote Control verlässt die Research Preview
25. August 2026 Chat und Cowork teilen sich ein Memory

Einzeln gelesen sind das acht Produktmeldungen. Nebeneinander gelegt beschreiben sie eine Bewegung in drei Richtungen: hin zu einer Oberfläche, hin zu einem Kontext, und hin zu einer Erreichbarkeit von jedem Gerät aus.

Eine Oberfläche

Den deutlichsten Satz dazu hat Anthropic selbst in den Release Notes vom 7. Juli formuliert. Chat und Cowork hätten ab jetzt ein gemeinsames Zuhause, mit einem Ort für Projekte und Artifacts über beide hinweg. Was vorher zwei Ablagen waren, ist seither eine.

Noch aufschlussreicher finde ich eine Änderung, über die kaum jemand geschrieben hat. Seit 17. Juni teilt sich Claude Design die Nutzungslimits mit Chat, Cowork und Code. Vier Oberflächen, ein Kontingent. Wer wissen will, ob ein Anbieter seine Produkte wirklich zusammenführt oder nur die Navigation umbaut, schaut am besten auf die Abrechnung. Getrennte Produkte haben getrennte Limits.

Der Weg von Claude Design zeigt dieselbe Bewegung im Kleinen. Gestartet ist es im April als Labs-Projekt mit eigener Adresse, inzwischen ist es zusätzlich über die Seitenleiste der Desktop-App erreichbar, und seit Mitte August holst du dir die Entwurfsfläche mit dem Skill /design in eine laufende Claude-Code-Sitzung. Du beschreibst, was du brauchst, bekommst mehrere Entwürfe nebeneinander und lässt den ausgewählten direkt in Code umsetzen.

Aufschlussreich ist, worauf das aufsetzt. Claude veröffentlicht die Entwürfe als Artifact, also über dieselbe Technik, auf der auch die Live Artifacts in Cowork laufen. Was als getrennte Werkzeuge begonnen hat, teilt sich inzwischen den Unterbau.

Überall erreichbar

Die zweite Bewegung betrifft die Geräte. Cowork war bis Juli an einen eingeschalteten Rechner mit offener Desktop-App gebunden. Seit dem 7. Juli laufen Sessions wahlweise auf Anthropics Servern, erreichbar über claude.ai und die Apps für iOS und Android. Eine Aufgabe arbeitet weiter, wenn der Laptop zugeklappt wird, und geplante Aufgaben brauchen kein wachliegendes Gerät mehr.

Am 12. August kam der Browser dazu. Das Seitenpanel der Chrome-Erweiterung war vorher eine kleine, abgeschottete Sitzung. Jetzt ist es dieselbe Cowork-Session wie überall sonst, mit Zugriff auf deine Skills und Konnektoren, und eine im Tab begonnene Aufgabe machst du auf dem Desktop oder am Handy fertig. Das ist vor allem für interne Dashboards, Altsysteme und Lieferantenportale interessant, für die es keinen Konnektor gibt und wo Claude sich mit deinen bestehenden Logins durchklickt.

Und in der Woche vom 17. August hat auch Claude Code diesen Weg genommen. Remote Control ist aus der Research Preview raus, jede Maschine mit einer laufenden Remote-Control-Sitzung erscheint als Gerätekarte im Code-Bereich der Claude-App, und du startest vom Handy aus eine Sitzung auf deinem Rechner.

Einen Bereich hat diese Bewegung bisher ausgelassen. Design gibt es in der Handy-App nicht, dafür brauchst du den Rechner oder zumindest einen Browser.

Ein Gedächtnis

Bleibt das Memory, und das ist der eigentliche Bruch mit dem alten Modell.

Bis zum 25. August war der Merkbereich von Cowork an Projekte gebunden. Was Claude in einem Projekt lernte, blieb dort. Seither liegt darüber ein kontoweites Memory, das sich Chat und Cowork teilen. Was Claude aus deinen Gesprächen über dich weiß, steht bei der nächsten Cowork-Aufgabe zur Verfügung, und umgekehrt fließt zurück, was Cowork bei der Arbeit gelernt hat. Anthropic beschreibt das mit einem Beispiel, das den Nutzen gut trifft: Du erklärst einmal im Chat, wie dein Team seine Kennzahlen definiert, und jede Quartalsauswertung, die Cowork danach baut, verwendet sie, ohne dass du es wiederholst.

Der Umbau darunter hatte schon im Juli stattgefunden. Das Memory besteht seit dem 10. Juli aus einzelnen, nach Themen sortierten Einträgen, die Claude während des Gesprächs mitschreibt, statt aus einer Zusammenfassung, die am Ende entsteht. Neu ist seit dem 25. August, dass beide Oberflächen in dieselben Einträge schauen.

Beim Datenschutz hat Anthropic mehrere Riegel eingebaut. Persönliche und sensible Themen wie Gesundheit, Herkunft, Religion, politische Ansichten oder Geschlechtsidentität bleiben standardmäßig draußen und wandern nur hinein, wenn du das ausdrücklich freischaltest.

Hinweisdialog beim ersten Start mit den drei Neuerungen: Claude merkt sich auch Cowork-Aufgaben, Memory ist eine Sammlung von Dateien zum Öffnen, Bearbeiten und Löschen, und mehr Kontrolle über sensible Themen. Der Schalter Sensible Themen in Memory aufnehmen steht auf aus, darunter die Tasten Einstellungen speichern und Nicht jetzt. Ausweis- und Sozialversicherungsnummern, Kontodaten, Vorstrafen und der Aufenthaltsstatus werden grundsätzlich nie gespeichert, auch auf ausdrückliche Anweisung nicht.

Die Schalter dazu findest du unter Einstellungen > Funktionen im Abschnitt Erinnerung. Dort stehen drei getrennte Regler, was mehr Spielraum lässt, als die Berichterstattung vermuten lässt. Claude darf in früheren Chats nachschlagen, Claude darf aus Chats neue Erinnerungen anlegen, und sensible Themen dürfen mit hinein. Wer will, lässt Claude also auf Bekanntes zugreifen, ohne dass Neues dazukommt. Unter Gedächtnisdateien siehst du dann nach Themen sortiert, was über dich abgelegt ist, und bearbeitest oder löschst einzelne Einträge. Über ein Eingabefeld sagst du Claude auch direkt, was er sich merken soll.

Einstellungsbereich Funktionen mit dem Abschnitt Erinnerung und drei Schaltern: Chats durchsuchen und nachschlagen, Erinnerungen aus Chats erstellen und Sensible Themen in Erinnerungen einbeziehen, darunter der Eintrag Gedächtnisdateien. Ansicht der Gedächtnisdateien, oben der Bereich You mit Preferences und Profile, darunter die Themen Business Admin, Content And Social, Mountain Biking, Recent Work und Tech Stack mit dem Datum der letzten Aktualisierung, unten ein Eingabefeld mit der Aufforderung, Claude zu sagen, was er sich merken soll.
Links die drei Schalter unter Funktionen, rechts die Gedächtnisdateien mit den abgelegten Themen. Zum Durchblättern wischen oder scrollen.

Auf Free, Pro und Max ist das Memory standardmäßig aktiv. Bei Team und Enterprise ist es standardmäßig aus, dort schaltet es der Organisations-Owner frei. Wer das für sein Unternehmen bewertet, sollte diesen Unterschied kennen, weil er die Verantwortung klar zuordnet.

Die Grenzen, die geblieben sind

Interessanter als das Zusammenwachsen finde ich die zwei Stellen, an denen Anthropic bewusst eine Linie stehen lässt.

Übersicht, was sich bei Claude das Memory teilt: Chat und Cowork in der Cloud greifen gemeinsam auf ein kontoweites Memory zu, dessen Einträge nach Themen sortiert und live mitgeschrieben werden, und zwar in beide Richtungen. Davon unabhängig behält jedes Projekt seine eigenen, abgetrennten Erinnerungen. Außen vor bleiben lokal laufende Cowork-Sessions und Claude Code mit seinen eigenen Projektdateien.

Die erste betrifft lokale Arbeit. Das geteilte Memory greift nur, wenn eine Cowork-Aufgabe in der Cloud läuft. Sessions, die lokal auf deinem Rechner arbeiten, nutzen es nicht. Diese Unterscheidung steht im Hilfebereich und fehlt in fast allen Berichten zum Thema, dabei ist sie praktisch die wichtigste des ganzen Updates.

Die zweite betrifft Claude Code. Code bleibt vom gemeinsamen Memory ausgenommen und arbeitet weiterhin mit seinem eigenen System aus Projektdateien. Bei einem Werkzeug, das in fremden Repositories und auf Produktivsystemen arbeitet, ist das eine nachvollziehbare Entscheidung.

Beide Grenzen liegen dort, wo geteilter Kontext von einer Bequemlichkeit zu einem Risiko wird.

Was das für dein Unternehmen heißt

Der Nutzen liegt auf der Hand. Wer Claude regelmäßig einsetzt, spart sich das ständige Wiedererklären von Rollen, Kunden, Formaten und Vorlieben. Für wiederkehrende Arbeit ist das ein spürbarer Unterschied.

Die Kehrseite ist, dass sich der Umfang dessen, was Claude über dich weiß, jetzt über Oberflächen hinweg addiert. Ein paar Punkte, die vor einer Freigabe im Team geklärt gehören:

Wer entscheidet. Bei Team und Enterprise liegt die Entscheidung beim Organisations-Owner, nicht beim einzelnen Mitarbeiter. Das ist gut so, verlangt aber, dass jemand sie bewusst trifft und dokumentiert.

Wie ihr trennt. Eine Einstellung, die die Erinnerungen aus Chat und Cowork getrennt hält, gibt es nicht. Zur Trennung bleiben Projekte mit ihren eigenen Erinnerungen, lokale statt Cloud-Sessions, der Inkognito-Chat, ein pausiertes Memory oder gleich getrennte Konten für Privates und Berufliches.

Was hineingehört. Kundendaten in einem geteilten Kontospeicher sind eine andere Sache als Kundendaten in einem einzelnen Chat. Wenn ihr mit personenbezogenen Daten arbeitet, gehört das in eure Verarbeitungsübersicht, und die üblichen Fragen zu Auftragsverarbeitung und Datenübermittlung stellen sich hier genauso wie bei jedem anderen KI-Dienst. Was dabei zu beachten ist, habe ich in KI und DSGVO für österreichische KMU aufgeschrieben.

Wer nachschaut. Das Memory ist einsehbar und editierbar. Diese Möglichkeit nützt nur, wenn sie auch jemand regelmäßig wahrnimmt. Ein Blick pro Quartal in die gespeicherten Themen reicht für die meisten Betriebe.

Kurz gefasst

Claude ist im Frühjahr eine App mit drei Reitern und einem separaten Entwurfswerkzeug daneben gewesen. Im August greift vieles ineinander: gemeinsame Projekte, ein gemeinsames Nutzungskontingent über alle vier Bereiche, ein gemeinsames Memory für Chat und Cowork, und Chat, Cowork und Code von jedem Gerät aus erreichbar. Nur Design bleibt am Schreibtisch. Für die tägliche Arbeit ist das eine Erleichterung, für die Governance eine Frage, die einmal beantwortet und dann festgehalten gehört.

Wenn du an einer Stelle anfangen willst, dann bei Cowork. Wie du es einrichtest, mit Projekten, Anweisungen, geplanten Aufgaben und Konnektoren, steht im kompletten Cowork-Guide, den ich parallel auf den Stand August 2026 gebracht habe.

Quellen: Release Notes von Anthropic, Cowork im Chrome-Seitenpanel, Claude Design bleibt auf Linie und der Hilfeartikel zum Memory.

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