Diktieren am Handy scheitert selten an der Spracherkennung. Die Wörter stimmen meistens. Was danach im Textfeld steht, klingt trotzdem wie gesprochen: „Also, ähm, wegen dem Termin, sollen wir, ja, machen wir 15 Uhr, passt." Wer das verschickt, tippt es vorher um. Und wer es jedes Mal umtippt, diktiert irgendwann gar nicht mehr.
Googles Antwort darauf heißt AI Edge Eloquent, ist kostenlos und rechnet standardmäßig am Gerät statt in der Cloud. Seit Version 1.4 Mitte August versteht sie auch Deutsch. Ich habe sie eingerichtet und mir angeschaut, was für einen Betrieb daran interessant ist und was nicht.
Was macht Eloquent anders als normales Diktieren?
Sie arbeitet in zwei Schritten statt in einem. Zuerst gesprochen zu Text, das ist die klassische Transkription. Danach läuft ein kleines Sprachmodell aus Googles Gemma-Familie über das Ergebnis und räumt auf: Füllwörter raus, abgebrochene Satzanfänge raus, Selbstkorrekturen zusammengezogen. Übrig bleibt der Satz, den du sagen wolltest.
Die Umschalter unter dem Ergebnis sind der nützliche Teil: Original liefert das wörtliche Transkript, Verfeinern den geglätteten Fließtext, Wichtige Punkte eine Stichwortliste, dazu Varianten für förmlich, kürzer und ausführlicher. Aus demselben Diktat wird also wahlweise die E-Mail oder das Protokoll. Das Ergebnis landet automatisch in der Zwischenablage, und neben dem Live-Diktat lassen sich auch fertige Audio- und Videodateien transkribieren.
Eloquent einrichten, in drei Minuten
Beim ersten Start lädt die App ihre Modelle herunter, danach wählst du Sprachen und Standardsprache, gibst das Mikrofon frei und bist drin. Ein Konto brauchst du dafür nicht.
Bei einem Punkt lohnt sich genaueres Hinschauen. Die App bietet an, sich ein Wörterbuch aus deinem Gmail-Postfach zu bauen. Die Idee ist gut, in deinen Mails stehen genau die Namen und Fachbegriffe, an denen Spracherkennung sonst scheitert. Der Preis ist ein Zugriff auf deine Mail-Daten. Überspringen ist hier völlig in Ordnung, das Wörterbuch lässt sich auch von Hand befüllen.
Warum empfiehlt Google bei Deutsch die Cloud?
Das Verkaufsargument der App ist, dass alles am Gerät bleibt. Bei Deutsch schränkt Google das selbst ein:
Darin stecken zwei Dinge, die gern vermischt werden. Das Audio bleibt in beiden Fällen am Gerät, deine Stimme wird nicht hochgeladen. Der Text geht bei aktivierter Cloud sehr wohl hinaus, nämlich das fertige Transkript, also inhaltlich genau das, was du gesagt hast. Für die Frage, ob du damit Kundennamen oder Vertragsdetails diktieren willst, macht es keinen Unterschied, ob der Inhalt als Tonspur oder als Text übertragen wird.
Die eigentliche Entscheidung fällt also nicht bei der Installation. Sie fällt bei dem Schalter oben rechts. Für Notizen an dich selbst oder eine Einkaufsliste kannst du die Cloud anlassen und bekommst die bessere Textqualität. Sobald personenbezogene Daten im Diktat vorkommen, drehst du ihn ab und lebst mit einem etwas holprigeren Ergebnis, bist dafür aber in der seltenen Lage, ein KI-Werkzeug zu nutzen, bei dem gar nichts abfließt. Wie ich solche Fragen grundsätzlich einordne, steht in KI und DSGVO in Österreich.
Ein Detail: Bei mir stand der Schalter nach der Einrichtung auf On. Wer den Dialog wegtippt, ohne ihn zu lesen, diktiert also womöglich in die Cloud, ohne es zu merken.
Was kostet Eloquent, und gibt es sie für Android?
| Eckdaten | Stand August 2026 |
|---|---|
| Preis | kostenlos, kein Abo, kein Konto, keine Limits bei Anzahl oder Länge |
| Plattformen | iPhone und iPad seit April 2026, Mac seit Juni 2026 |
| Android | keine Version im Play Store und kein angekündigter Termin |
| Verarbeitung | am Gerät, Cloud-Überarbeitung per Gemini optional zuschaltbar |
| Sprachen | 15 Diktiersprachen, 14 davon neu mit Version 1.4 im August |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Eine systemweite Tastatur gibt es noch nicht, Google stellt sie in Aussicht. Bis dahin diktierst du in der App und fügst über die Zwischenablage ein, was einen Handgriff mehr bedeutet als bei Bezahl-Werkzeugen wie Wispr Flow. Und wer auf Android sucht, sollte aufpassen: Im Play Store liegen ähnlich benannte Apps anderer Anbieter, die nichts mit Google zu tun haben.
Für wen sich Eloquent lohnt
Sinnvoll ist Eloquent, wenn du viel unterwegs bist und regelmäßig kurze Texte produzierst: Antworten zwischen zwei Terminen, Gesprächsnotizen direkt nach dem Termin, Ideen, die sonst verloren gehen. Da die App kostenlos ist und ohne Konto läuft, kostet ein Versuch nichts außer den drei Minuten Einrichtung.
Nicht die richtige Wahl ist sie für Android-Nutzer, für strukturierte Fachdiktate mit Vorlagen, wie sie in Kanzleien oder Ordinationen üblich sind, und für ganze Meetings mit Sprechertrennung. Das sind andere Werkzeugklassen. Und der überarbeitete Text bleibt eine Interpretation dessen, was du gesagt hast, meistens die richtige, gelesen werden will er trotzdem.
Quellen
- Google AI Edge Eloquent, offizielle Produktseite
- TechCrunch: Google quietly releases an offline-first AI dictation app on iOS
- 9to5Google: Google AI Edge Eloquent is an offline voice dictation app
- ChromeUnboxed zum Stand der Android-Version
- Versionshinweise zu 1.4.1 im App Store, abgerufen am 24. August 2026
- Screenshots aus der eigenen Einrichtung am iPhone, August 2026
