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Google Eloquent: die Diktier-App, die deine Ähs wegräumt

Hartmut Wernisch, Human in the loop·
Google Eloquent: die Diktier-App, die deine Ähs wegräumt

Diktieren am Handy scheitert selten an der Spracherkennung. Die Wörter stimmen meistens. Was danach im Textfeld steht, klingt trotzdem wie gesprochen: „Also, ähm, wegen dem Termin, sollen wir, ja, machen wir 15 Uhr, passt." Wer das verschickt, tippt es vorher um. Und wer es jedes Mal umtippt, diktiert irgendwann gar nicht mehr.

Googles Antwort darauf heißt AI Edge Eloquent, ist kostenlos und rechnet standardmäßig am Gerät statt in der Cloud. Seit Version 1.4 Mitte August versteht sie auch Deutsch. Ich habe sie eingerichtet und mir angeschaut, was für einen Betrieb daran interessant ist und was nicht.

Was macht Eloquent anders als normales Diktieren?

Sie arbeitet in zwei Schritten statt in einem. Zuerst gesprochen zu Text, das ist die klassische Transkription. Danach läuft ein kleines Sprachmodell aus Googles Gemma-Familie über das Ergebnis und räumt auf: Füllwörter raus, abgebrochene Satzanfänge raus, Selbstkorrekturen zusammengezogen. Übrig bleibt der Satz, den du sagen wolltest.

Live Transcript in Eloquent: Der diktierte Satz erscheint während des Sprechens, darunter Aufnahmedauer 00:19 und die Tasten für Pause und Stopp. Ergebnisbildschirm: Gute Arbeit, dein Text ist verfeinert und bereit. Darunter der bereinigte Text und die Umschalter Original, Verfeinern und Wichtige Punkte.
Links das laufende Transkript, rechts der überarbeitete Text. Zum Durchblättern wischen oder scrollen.

Die Umschalter unter dem Ergebnis sind der nützliche Teil: Original liefert das wörtliche Transkript, Verfeinern den geglätteten Fließtext, Wichtige Punkte eine Stichwortliste, dazu Varianten für förmlich, kürzer und ausführlicher. Aus demselben Diktat wird also wahlweise die E-Mail oder das Protokoll. Das Ergebnis landet automatisch in der Zwischenablage, und neben dem Live-Diktat lassen sich auch fertige Audio- und Videodateien transkribieren.

Eloquent einrichten, in drei Minuten

Beim ersten Start lädt die App ihre Modelle herunter, danach wählst du Sprachen und Standardsprache, gibst das Mikrofon frei und bist drin. Ein Konto brauchst du dafür nicht.

Startbildschirm von Google AI Edge Eloquent mit Fortschrittsbalken, Modelle werden geladen, 14 Prozent. Auswahlliste, Wähle deine Sprachen aus, mit angehaktem English und German neben Spanish, French und Italian. Richte deine Standardsprache ein, German ist als Standard markiert, English steht darüber. iOS-Systemdialog, Edge Eloquent möchte auf das Mikrofon zugreifen, mit den Schaltflächen Nicht erlauben und Erlauben. Der Diktierbildschirm mit dem Hinweis Ready to dictate und den Bedienelementen für Sprache, Plus und Mikrofon. Erklärseite zum On-Device-Modus: Ist er aktiv, verlassen Diktate und Stimme das Gerät nie. Darunter der Cloud-Modus, bei dem das Audio am Gerät bleibt und nur der Text mit Gemini auf dem Server verfeinert wird. Angebot, ein Wörterbuch aus dem Google-Konto und den Gmail-Mails zu erstellen, mit der Alternative Überspringen. Abschlussbildschirm, Geschafft, Sie können jetzt loslegen, mit der Schaltfläche Einführung abschließen. Hauptbildschirm der App mit dem Cloud-Schalter auf On, den Nutzungsstatistiken mit 13 diktierten Wörtern und dem Diktierfeld.
Der ganze Ablauf vom ersten Start bis zum fertigen Hauptbildschirm. Zum Durchblättern wischen oder scrollen.

Bei einem Punkt lohnt sich genaueres Hinschauen. Die App bietet an, sich ein Wörterbuch aus deinem Gmail-Postfach zu bauen. Die Idee ist gut, in deinen Mails stehen genau die Namen und Fachbegriffe, an denen Spracherkennung sonst scheitert. Der Preis ist ein Zugriff auf deine Mail-Daten. Überspringen ist hier völlig in Ordnung, das Wörterbuch lässt sich auch von Hand befüllen.

Warum empfiehlt Google bei Deutsch die Cloud?

Das Verkaufsargument der App ist, dass alles am Gerät bleibt. Bei Deutsch schränkt Google das selbst ein:

Dialog Cloud empfohlen: Gemini auf dem Server wird für die beste Überarbeitungsqualität für diese Sprache empfohlen. Nur die Transkription wird zur Verarbeitung an die Cloud gesendet. Möchtest du die Cloud aktivieren? Mit den Schaltflächen Jetzt nicht und Aktivieren.
Für Deutsch empfiehlt Google die Cloud-Verarbeitung. Der Schalter dafür sitzt oben rechts und lässt sich jederzeit abdrehen.

Darin stecken zwei Dinge, die gern vermischt werden. Das Audio bleibt in beiden Fällen am Gerät, deine Stimme wird nicht hochgeladen. Der Text geht bei aktivierter Cloud sehr wohl hinaus, nämlich das fertige Transkript, also inhaltlich genau das, was du gesagt hast. Für die Frage, ob du damit Kundennamen oder Vertragsdetails diktieren willst, macht es keinen Unterschied, ob der Inhalt als Tonspur oder als Text übertragen wird.

Die eigentliche Entscheidung fällt also nicht bei der Installation. Sie fällt bei dem Schalter oben rechts. Für Notizen an dich selbst oder eine Einkaufsliste kannst du die Cloud anlassen und bekommst die bessere Textqualität. Sobald personenbezogene Daten im Diktat vorkommen, drehst du ihn ab und lebst mit einem etwas holprigeren Ergebnis, bist dafür aber in der seltenen Lage, ein KI-Werkzeug zu nutzen, bei dem gar nichts abfließt. Wie ich solche Fragen grundsätzlich einordne, steht in KI und DSGVO in Österreich.

Ein Detail: Bei mir stand der Schalter nach der Einrichtung auf On. Wer den Dialog wegtippt, ohne ihn zu lesen, diktiert also womöglich in die Cloud, ohne es zu merken.

Was kostet Eloquent, und gibt es sie für Android?

Eckdaten Stand August 2026
Preis kostenlos, kein Abo, kein Konto, keine Limits bei Anzahl oder Länge
Plattformen iPhone und iPad seit April 2026, Mac seit Juni 2026
Android keine Version im Play Store und kein angekündigter Termin
Verarbeitung am Gerät, Cloud-Überarbeitung per Gemini optional zuschaltbar
Sprachen 15 Diktiersprachen, 14 davon neu mit Version 1.4 im August

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Eine systemweite Tastatur gibt es noch nicht, Google stellt sie in Aussicht. Bis dahin diktierst du in der App und fügst über die Zwischenablage ein, was einen Handgriff mehr bedeutet als bei Bezahl-Werkzeugen wie Wispr Flow. Und wer auf Android sucht, sollte aufpassen: Im Play Store liegen ähnlich benannte Apps anderer Anbieter, die nichts mit Google zu tun haben.

Für wen sich Eloquent lohnt

Sinnvoll ist Eloquent, wenn du viel unterwegs bist und regelmäßig kurze Texte produzierst: Antworten zwischen zwei Terminen, Gesprächsnotizen direkt nach dem Termin, Ideen, die sonst verloren gehen. Da die App kostenlos ist und ohne Konto läuft, kostet ein Versuch nichts außer den drei Minuten Einrichtung.

Nicht die richtige Wahl ist sie für Android-Nutzer, für strukturierte Fachdiktate mit Vorlagen, wie sie in Kanzleien oder Ordinationen üblich sind, und für ganze Meetings mit Sprechertrennung. Das sind andere Werkzeugklassen. Und der überarbeitete Text bleibt eine Interpretation dessen, was du gesagt hast, meistens die richtige, gelesen werden will er trotzdem.

Quellen

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